Ein Monat On The Road – Ein erster Zwischenbericht

Man mag es gar nicht glauben, aber ich bin schon seit einem ganzen Monat unterwegs in Asien. Eigentlich total seltsam, wie die Zeit so vergeht. Als ich in Shanghai in meinem Hass-AirBnB saß und jeden Tag nur Instant-Nudelsuppe gegessen hab, kam es mir vor, als wäre ich schon seit sechs Jahren unterwegs. Jetzt und hier in Chiang Mai finde ich es eher unglaublich, dass schon vier ganze Wochen vergangen sind.

Was für ein Zwischenfazit kann ich also ziehen?

Irgendwie gar keins? Dadurch, dass die Zeit so schnell verging, habe ich – trotz täglichem Tagebuch schreiben – gar keine interessanten, tiefen Seeleneinblicke zu bieten. Tut mir irgendwie voll leid, aber ich bin wahrscheinlich einfach kein guter Reiseblogger. Oder Backpacker.. Aber dass ich der absolute Loser-Backpacker bin, wissen eh schon alle, die während jeder neuen Reise-Etappe mein Gemeckere über meinen viel zu vollen und viel zu schweren Backpack ertragen mussten. ¯\_(ツ)_/¯

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Ein paar kleine Dinge habe ich aber definitiv schon gelernt, auch wenn sie nicht viel mit Selbstfindung und Personal Growth zutun haben. Die möchte ich natürlich trotzdem gern hier festhalten:

Als erste und wichtigste Erkenntnis kann ich euch mitteilen, dass ich einfach zu alt und unsozial für Hostels bin. Ich war ja bis jetzt nur in Zweien, aber ich mags einfach nicht. Das könnte natürlich auch daran liegen, dass meine bisherigen Hostel-Mitbewohnerinnen [hatte bisher nur Female-Dorms, weil ich dachte, ich würde da lästigem Geschnarche entkommen..] allesamt geschnarcht haben wie die Holzfäller. Oder daran, dass keine von ihnen mit mir Englisch gesprochen hat. Oder dass China vielleicht grundsätzlich einfach das falsche Land ist, um Hostels zum ersten Mal auszuprobieren.. Aber ich muss einfach sagen, dass ich mich in Hotels oder AirBnB-Zimmern, die ich für mich allein habe, so viel wohler fühle! Klar, die Sozialen Kontakte fehlen dadurch ein bisschen, aber tiefe Gespräche konnte ich ja mit meinen bisherigen Hostel-Girls auch nicht führen. Eigentlich hat es nur für sowas wie „go, go!“ oder „no, no!“ gereicht, wenn es um die Besetzung des Gemeinschaftsbads ging. [Boah, und Gemeinschaftsbäder.. Die hasse ich auch.]

Außerdem konnte ich zum Glück feststellen, dass diese ganze Reise gar nicht so schwierig ist, wie ich mir das [vor allem in den letzten paar Wochen vor der Abreise] vorgestellt habe. Es hat noch niemand versucht, mich auszurauben oder umzubringen [klopft jetzt bitte alle ganz hart auf Holz, ey!!], das Heimweh hält sich tatsächlich noch in Grenzen und auch wenn es ab und an schon recht anstrengend sein kann, überwiegt bisher der Spaß und die „Neugier auf das Unbekannte“ [I’m sorry, that sounds so cheesy].

Ich musste auch schon mehrmals feststellen, dass ich oft total nervös wegen irgendwelchen Kleinigkeiten bin, die ich dann aber trotzdem ganz souverän meistere. Bestes Beispiel dafür sind gerade die Öffentlichen Verkehrsmittel in Chiang Mai. Ich hatte total Schiss davor, in so ein Songthaew zu steigen. Ein Songthaew ist ist quasi ein Sammeltaxi, in das 10 Leute reinpassen und der Fahrer bestimmt dann die Route und lässt immer mal wen aus- oder einsteigen. Strecken in der Innenstadt kosten dann meistens pauschal 30 Baht [also weniger als einen Euro], aber wenn man damit eine längere Strecke fahren will, sollte man immer vorher verhandeln und ich HASSE es zu verhandeln. Trotzdem hab ich mich gestern an die Straße gestellt [mein Hosenbein leider nicht lasziv hochgezogen], mein bestes Pokerface aufgesetzt und den Dude um die Hälfte seines Einstiegspreises runtergehandelt! Success! Am Ende habe ich zwar trotzdem noch einen ordentlichen Touristen-Preis bezahlt, aber immerhin hab ich die Angst überwunden und bin wohlbehalten an meinem Ziel – dem Doi Suthep Tempel – angekommen.

Auch bei meinem ersten Besuch eines Nachtmarktes, die es hier ja wie Sand am Meer gibt, ging es mir so. » Was, wenn ich nix Vegetarisches finde? Was, wenn die mich nicht verstehen? Was, wenn die mich auslachen? « [Dass mich Leute auslachen ist immer ein großes Thema in meinen Sorgen-Strudeln.] Aber ich habe mich trotzdem abends aus dem Hotel getraut, bin eine Viertelstunde zum nächsten Nachtmarkt gelaufen und habe den allergeilsten vegetarischen Scheiß für gerade mal 4€ gekauft. [Reis-Omelette, Sticky Rice mit Mango, eine Kokosnuss-Waffel und Springsrolls! OMG!] Auch die Kommunikation verlief ohne Probleme, die Verkäufer*innen waren alle supernett und keiner hat mich ausgelacht. Gott sei’s gedankt.

Oh, und wo wir gerade beim Essen sind: Eines der größten Probleme, das vielen Leuten beim Gedanken ans Alleinreisen als erstes einfällt, ist das Alleine Essen Im Restaurant™. Vielen kommt das super seltsam vor und ist einfach so unvorstellbar für sie, dass Alleinreisen schon grundsätzlich nicht für sie in Frage kommen würde. [Glaubt mir, ich habe einen langen Twitter-Thread darüber gelesen und was im Internet steht, stimmt ja für gewöhnlich immer und jeder sagt die Wahrheit!]
Die „Angst“ hatte ich zum Glück so gut wie gar nicht. Klar, beim ersten Mal ist es immer ein bisschen komisch, sich allein in ein Restaurant zu setzen, aber ich konnte schnell bemerken, dass super viele Leute allein essen gehen. Und selbst die, die zu zweit essen gehen.. Unterhalten sich meistens während der ganzen Zeit genauso viel wie ich?! Von daher könnt ihr euch merken: Alleine essen ist total in Ordnung, euch geht keiner auf’n Sack, ihr könnt ganz gechillt die ganze Zeit auf’s Handy glotzen und keiner wird euch mitleidig angucken oder denkt, ihr wärt Freaks. Und wenn dieser Post auch sonst keinen großen Mehrwert hat, könnt ihr euch ja wenigstens diese Erkenntnis mit ins tägliche Leben nehmen, okidokie? Okidokie!


So ein kleines bisschen in Richtung Personal Growth geht dieser Blogpost jetzt ja doch. Außer die Hostel-Geschichte. Vielleicht ist also doch noch nicht all der Hopfen und Malz für meine Blogger-Karriere verloren. Ich bin jedenfalls schon super gespannt, was in den nächsten Monaten noch so auf mich zukommt und hoffe, dass ich so eine Art Zwischenbericht auch im August und September mit euch teilen kann.  

Bis dahin: Haltet aus und bleibt stark. Ich bin ja bald wieder Zuhause. ;D

3 Gedanken zu „Ein Monat On The Road – Ein erster Zwischenbericht

  1. Miss Bookiverse

    Ich finde es so erfrischend wie du von deinen Erfahrungen schreibst, gerade weil (bisher) die deepen Einsichten fehlen und du Hostelbekanntschaften auch mal kritisch beleuchtest. Ich kann mir vorstellen, dass die Einsichten bei so einer Erfahrung noch ein bisschen auf sich warten lassen und erst viel später kommen, wenn du wieder eine Weile zurück im Alltag bist und auf die Zeit zurückblickst. Und ich bin sehr stolz auf dich, dass du dich so oft aus deiner Komfortzone raustraust und einfach dazu überwindest „gruselige“ Dinge zu tun. Weiter so 😀

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    1. therealisapotter

      Oh, wow! Das geht runter wie Öl! Vielen Dank für die lieben Worte. 💕 Passt auch gerade wunderbar, die Komfortzone liegt nämlich gerade wieder ganz weit weg, weil ich mich im Moment auf meine erste Nachtbus-Reise begebe und super nervös war (beziehungsweise bin. Noch bin ich ja nicht angekommen.. Oder losgefahren 😅). Deshalb macht die Erinnerung an meine bisherigen Erfolgserlebnisse nach gruseligen Aktionen auf jeden Fall Mut. 😊

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  2. Pingback: Drei Monate On The Road – Von Malaysia bis Indonesien. – porridgeandwine

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