Rezension: Zusammen sind wir Helden.

Titel: Zusammen sind wir Helden.
Original: The Serpent King.
Autor: Jeff Zentner.
Verlag: Carlsen Verlag – Hardcover – 368 Seiten.

worum-gehts

Ohne seine Gitarre wäre Dills Leben wirklich trostlos: Sein Vater ist im Gefängnis, seine Mutter unglücklich, und nach der Schule soll er im örtlichen Supermarkt arbeiten, um die Schulden abzubezahlen. Aber Dill sehnt sich nach einem anderen Leben, irgendwo da draußen. Seine Träume teilt er mit seinen beiden besten Freunden: Lydia, selbstbewusst und mit dem festen Plan, als Modebloggerin nach New York zu gehen, und Travis, der halb in seiner geliebten Fantasy-Serie lebt. Zusammen, glauben sie, können sie alles schaffen.
[Quelle: Carlsen Verlag]

meine-meinung

Ich glaube, Jeff Zentner und ich werden wohl keine allzu guten Freunde mehr. Ich weiß nicht, was es ist, aber irgendwie haben seine Bücher immer etwas, das mich am Anfang sehr anspricht und am Ende dann doch bitter enttäuscht. Bei Goodbye Days war es schon so, dass mir die Grundidee sehr gut gefallen hat, mich die Geschichte insgesamt aber einfach nicht überzeugen konnte und mir das Gefühl vermittelt hat, als hätte sich der Autor ein bisschen zu viel vorgenommen. Mit seinem Debüt-Roman Zusammen sind wir Helden ging es mir sehr ähnlich, obwohl ich es insgesamt im Vergleich besser fand als seinen Nachfolger. Aber first things first: Ich möchte mich erst einmal ganz herzlich beim Carlsen Verlag bedanken, die kleinen Anfänger-Bloggern wie mir die Möglichkeit geben, eins von drei kostenlosen Rezensionsexemplaren auf ihrer Website auszusuchen, zu lesen und ihren Senf dazuzugeben. Dieses Angebot ist wirklich großartig!

Mann, dieses Buch ist echt eine harte Nuss. Irgendwie weiß ich gar nicht, wo ich dabei anfangen soll. Ehrlich gesagt ist mir der Einstieg in Zusammen sind wir Helden relativ schwer gefallen, weil ich schon so lange keine Deutschen Bücher mehr gelesen hatte und meiner Muttersprache erstmal wieder mächtig werden muss, wenn ich es doch versuche. Insgesamt hat mir der Schreibstil – besonders in den ersten Kapiteln, aber auch nach entsprechender Eingewöhnungszeit – nicht sonderlich gut gefallen. Er steckt voll von gestelzten Dialogen, die man von keiner Gruppe 17-jähriger Jugendlicher im echten Leben hören würde, unnötigen, ellenlangen Beschreibungen von Körperteilen und Gerüchen [es fiel ernsthaft mal der Satz „es roch nach sauberem Schimmel“ – WTF?], und viele Stellen ließen sich lesen wie meine alten Tagebucheinträge aus 2008. Gerade die klischee-belastete Darstellung von „den Bösen“ hat mich da sehr an Teenage!Isa erinnert, denn vor allem Dills Vater wird präsentiert wie ein Bösewicht aus uralten Filmen.

Von bitterbösen Vätern mal abgesehen ist sonst aber zum Glück kaum ein Charakter in eine Klischee-Schublade zu stecken, denn sie gehören größtenteils eher der „grauen“ Kategorie an. Meine Gefühle für sie würde ich – passend dazu – auch dort ablegen, denn sie sind doch recht gemischt. Die meisten Schwierigkeiten hatte ich Anfangs mit unserem Hauptcharakter Dillard „Dill“ Early. Dill ist auf den allerersten Blick eigentlich einfach nur ein Creepy Guy, der auf seine beste Freundin steht, es ihr aber [natürlich] nie sagen würde und sie deshalb ständig heimlich aus den Augenwinkeln beobachtet und irgendwelche seltsamen Beschreibungen von ihren Händen oder ihrem Hals macht oder ganz ganz ganz tief einatmet, wenn sie ihn umarmt, um an ihren Haaren zu schnüffeln. [Ich weiß, ich weiß, er ist ein Teenager und verknallt und da macht man auch manchmal komische Dinge, aber ich finde es einfach immer wieder unangenehm, wie sowas in Jugendbüchern ständig romantisiert wird.] Mit der Zeit lernt man, dass es Dill im Leben nicht leicht hat. Sein Vater [der Böse, ihr erinnert euch], der örtliche Priester, ist schon seit längerer Zeit wegen des Besitzes von Kinderpornographie im Gefängnis [ist das Klischee zu krass, oder geht’s?] und hat seine Familie mit einem Berg von Schulden zurückgelassen. Seine Mutter hatte einen schlimmen Autounfall und arbeitet seitdem unter Schmerzen in mehreren Jobs, um irgendwie über die Runden zu kommen, während sie nach Feierabend lange Reden über die Liebe Jesu hält und Dill einzureden versucht, dass er die Schule schmeißen und einfach Vollzeit arbeiten sollte. Was man eben so macht als loving mother. Das Objekt von Dills Verehrung ist übrigens Lydia, die einen [meiner Meinung nach ziemlich schlechten] Modeblog namens Dollywould schreibt und damit relativ erfolgreich ist. Sie weiß genau, was sie vom Leben will und lässt sich von nichts aufhalten – Vor allem nicht von ihrer Südstaaten-Einöde Forrestville. Und dann gibt es noch Travis [my actual son, who deserves the world], der der größte Fan einer Game of Thrones artigen Buchreihe namens Bloodfall ist. Er liest diese Bücher 24/7, zitiert gerne seine Lieblingsstellen, ist in Fan-Foren aktiv und grundsätzlich einfach der goldigste Typ, den es gibt. ❤

Sehr positiv aufgefallen ist mir, dass dieses Buch nicht vor hässlichen Gefühlen zurückschreckt. Eifersucht, selbstsüchtiges Verhalten, Angst vor der Gegenwart und der Zukunft, vorm Verlassen werden und Alleinsein  – All das wird immer wieder schonungslos offen gezeigt und dabei nicht beschönigt oder heruntergespielt. Und so unsympathisch ich Dill zum Teil fand, so konnte ich mich doch sehr gut in manche seiner Gefühle hineinversetzen. Ich meine, wer ist tief im Inneren nicht traurig und vielleicht auch verletzt, wenn die beste Freundin oder der beste Freund wegzieht und einen in seinem Kaff zurücklassen will? Oder wenn alle um einen herum konkrete Zukunftspläne haben und man selber einfach völlig verloren ist?

Auch die Thematisierung sehr realer Probleme fand ich sehr gut und wichtig. Die finanziellen Schwierigkeiten von Dills Familie und seine engstirnige Mutter, die ihm das Studium verweigert – und selbst einen Schulabschluss für unsinnig hält. Travis’ gewalttätiger, alkoholkranker, homophober Vater. Depressionen, Verlust, Suizid-Gedanken.. Vor nichts davon schreckt Zusammen sind wir Helden zurück und auch wenn so manches Thema nur angerissen wird [und ich mir grundsätzlich gewünscht hätte, dass sie intensiver besprochen worden wären], fand ich diese Art von Repräsentation wirklich wichtig. Vor allem, da sie in anderen Coming-of-Age-Jugendbüchern dieser Art viel zu selten vorkommt!

fazit

Zusammen sind wir Helden ist ein Jugendbuch, das thematisch in dieser Kategorie auf jeden Fall hervorsticht und dessen Geschichte tiefer ist, als man auf den ersten Blick denken mag. Und obwohl ich persönlich Abzüge für den Schreibstil und so einige Plot-Punkte gegen Ende des Buches machen muss, gibt es wiederum viele Pluspunkte für die Repräsentation der alltäglichen und besonderen Probleme im Leben von Dill, Lydia und Travis. Insgesamt in meinen Augen das stärkere der beiden Bücher von Jeff Zentner!

3Sterne

Ein Gedanke zu „Rezension: Zusammen sind wir Helden.

  1. Nicci Trallafitti

    Hey!
    Schade, dass es dich nicht komplett überzeugen konnte.
    Aber es freut mich, dass du dennoch gute Aspekte gefunden hast für dich 🙂
    Travis mochte ich auch sehr. Oh Gott war ich traurig.
    Und Lydia war ne coole Sau, hihi.
    Ich fand es auch toll, dass so viele schwierige Themen angesprochen wurden.
    Für mich ist es ein ganz besonderes Jugendbuch.

    Liebe Grüße,
    Nicci

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